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Trainer-Athleten-Interview mit Olaf Dierks und Fynn Hülsiggensen

Januar 9, 2021

Schnelle Zeiten, starke Weiten und neue Bestleistungen sind in der Leichtathletik kein Einzelerfolg. Denn hinter jedem Athleten steckt auch ein Trainer, der versucht, alles in seiner Macht stehende zu tun, um seinen Zögling zu fordern und zu fördern, damit dieser auf jedem Wettkampf über seine Grenzen hinaus gehen kann. Fachwissen, Erfahrungen, Zeit und natürlich Herzblut gehören zum Trainerleben, das unter anderem auch Olaf Dierks führt. In der LG Lage-Detmold-Bad Salzuflen am Standort Lage trainiert der 59-Jährige (im nächsten Monat wird übrigens der runde Geburtstag gefeiert) eine Truppe von jungen Männern in den 20ern. Unter ihnen befindet sich auch Fynn Hülsiggensen, der bereits mit zahlreichen herausragenden Leistungen wie beispielsweise 49,63sec. über 400m, 6,77m im Weitsprung oder 1.97m im Hochsprung sowie starken Platzierungen auf überregionalen Meisterschaften auf sich aufmerksam machte. Und wir wollten einfach mal einen Blick hinter die Kulissen wagen und das Trainer-Athleten-Gespann fragen, wie das Training bei ihnen aussieht, worauf es bei einer erfolgreichen Zusammenarbeit ankommt und wie sie sich gemeinsam auf einen Wettkampf vorbereiten…

1. Wie lange trainiert ihr bereits zusammen?

Olaf: 2015. Ich bin dazugekommen, als Dieter Dargatz verstorben ist. Dieter Denecke hat mich damals angesprochen, ob ich ihn unterstützen kann und so bin ich dann in die Truppe gekommen. Nachdem wir uns erst einmal bei einem gemeinsamen Probetraining kennenlernten, haben die Jungs schließlich gesagt: „ok, passt“! Also ich glaube 2014 war das schon, aber die ersten Erfolge hatten wir dann ab 2015. Man braucht ja so nen bisschen erstmal…

2. Fynn, was schätzt du an deinem Trainer Olaf am meisten?

Fynn: Seine humorvolle und zuverlässige Art. Mit Olli kannst du immer – sowohl im Training als auch beim Wettkampf – Spaß haben. Er unterstützt immer alle Jungs gleichermaßen und hat keine Lieblinge, sondern sieht uns als Gruppe. Und er ist mit uns auf einer Wellenlänge – trotz des Altersunterschiedes. [lacht]

Selfie von Olaf mit einigen Athleten bei einem Wettkampf

3. Olaf, wenn du an Fynn denkst, wie würdest du ihn spontan mit drei Worten beschreiben?

Olaf: Fynn ist immer fleißig, im Gegensatz zu Kai immer sehr pünktlich [grinst] und motiviert. Es gibt nichts zu meckern!

4. Habt ihr ein Vorbild in der Leichtathletik und wer ist das?

Fynn: Definitiv ist das Niklas Kaul. Ich habe schon relativ früh angefangen, ihn aufgrund seines Speerwurfes – das war ja auch eine relativ gute Disziplin von mir – zu verfolgen. Als ich dann selber richtig mit Zehnkampf anfing, habe ich ihn dann stetig verfolgt und bewundert, was er für ein krasser Athlet er ist. Einfach ein Top-Athlet!
Olaf: [lacht] Ich weiß gar nicht, ob Fynn ihn überhaupt kennt; wen ich im Zehnkampf immer klasse fand, war Guido Kratschmer (1976 Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Montreal). 

5. Was macht in euren Augen ein gut funktionierendes Trainer-Athleten-Gespann aus?

Fynn: Ich glaube, dass man grundsätzlich in eine Richtung schaut und die gleichen Ziele verfolgt. Und, dass man auch kommunikativ auf einer Ebene ist, also eine Sprache spricht.
Olaf: Für mich ist wichtig – das betrifft natürlich nicht nur Fynn, sondern die ganze Gruppe – dass man eben eine Linie verfolgt. Das heißt, wenn ich etwas ansage, dass es auch befolgt wird. Außerdem ist es wichtig, dass wir die Bedürfnisse der Athleten alle unter einen Hut bekommen. Da in unserer Truppe alle Jungs Sprint und Mittelstrecke machen und Fynn der einzige Mehrkämpfer ist, kann das als alleiniger Trainer schon schwierig sein. Aber bei den älteren Athleten hat glücklicherweise der Verstand schon ein bisschen eingesetzt [schmunzelt] und sie trainieren konzentriert und selbstständig, was ebenfalls die Zusammenarbeit erleichtert. 

Laufanalyse via Smartphone

6. Sollte eurer Meinung nach zwischen Trainer und Athlet ein hierarchisch Verhältnis herrschen oder lieber ein freundschaftliches?

Olaf: Aus meiner Sicht sowohl als auch.
Fynn: Da stimme ich Olli grundsätzlich zu. Also man sollte mit seinem Trainer auf einer Wellenlänge sein und trotzdem einen gewissen Respekt vor ihm haben. Wenn da jemand steht, den du nicht ernst nehmen kannst oder dem du nichts abkaufst, da ist der Sinn der Sache ja nicht gegeben. Aber es sollte auch nicht zu hierarchisch sein. Der Schalker Trainer lässt sich beispielsweise von seinen Spielern Siezen und das wäre nichts für mich. Im Sport ist man dann ja doch auf einer persönlichen Ebene unterwegs.

7. Wenn es mal Schwierigkeiten gibt, wie löst ihr diese?

Olaf: Indem wir miteinander sprechen. Und wir sind auch noch nie richtig aneinandergeraten. 
Fynn: Ja, hätte ich auch gesagt!

8. Gibt es denn jeweils an dem anderen Macken, die euch „nerven“?

Fynn [lacht]: Olli ist ein sehr kommunikativer Typ und manchmal fängt er beim Training an und packt dann Geschichten aus, erzählt von seinem Tag oder zeigt uns was auf seinem Handy und dann stehen wir da und denken uns: „ja jetzt kann es auch mal weitergehen“. Das könnte manchmal ein bisschen zügiger vorangehen. Aber das kennen wir mittlerweile in der Gruppe…(zum Glück war die Internetverbindung just in diesem Moment am haken, sodass Olaf nur Bruchstücke von der Antwort mitbekommen hat 😉)
Olaf: Ne. Ich sag mal, Macken hat jeder. Aber wenn ich mich auf jede Macke konzentriere, die einer hat, bei den vielen die ich trainiere, ne… Macken, die ignoriert man, und weiter geht’s!

9. Jeder hat mal ein Motivationstief – wenn Fynn ein solches hat, wie gehst du damit um Olaf?

Olaf: Ich habe bei Fynn bisher wenige Motivationstiefs erlebt, weil er immer sehr konzentriert und mit eisernen Willen beim Training ist. Er hat Ziele und die zieht er knallhart durch. Und er macht ja auch außer unserem gemeinsamen Training für sich selber noch viele eigene Sachen. Nur wer so an sich arbeitet, kommt auch weiter. Bei manchen meiner anderen Jungs muss ich da schon mal mehr motivieren und was sagen. Fynn weiß, was er will und zieht es durch. Das einzige „Tief“, an das ich mich erinnere, war 2017. Fynn ist damals in ein Loch gefallen, als er seine Verletzung bekommen und diese ihn so beeinträchtigt hat. Er musste zu Ärzten, Orthopäden und sogar nach Köln zur Sportuntersuchung und und und… In dieser Zeit hat er sich das erste Mal dazu geäußert, dass er nicht mehr weitermachen kann. Ich habe ihm dann immer dazu geraten, nicht aufzugeben und habe versucht, ihn aufzubauen, indem ich gesagt habe, dass ein guter Zehnkämpfer sowieso erst mit Mitte 20 körperlich so entwickelt ist, dass er seine Stärke ausspielen kann. Ich habe immer versucht, ihm Mut zu machen, wieder zurückzukommen, weiterzumachen und sich nicht hängen zu lassen, um dann noch mal anzugreifen und das ist unser Ziel!

Fynn bei den 110m Hürden

10. Fynn, wie hast du es geschafft, während der langen Verletzung nicht den Mut zu verlieren?

Fynn: Zum einen war es natürlich das Umfeld – sowohl die LG als auch Silas, der mich immer wieder gepusht hat, jetzt mittlerweile aber nach Aachen gegangen ist. Und zum anderen das Gefühl, wenn ich an vergangene Wettkämpfe zurückdenke, mich an die Zeit zurückerinnere, welche Ziele ich damals hatte, wie geil es sich anfühlt mit einer neuen Bestleistung in der Tasche nach Hause zu kommen und dem Wissen, da geht vielleicht noch mehr. Man spürt es manchmal einfach im Körper, dass da noch was geht und ich habe einfach Bock weiterzumachen. In der Zeit war es halt etwas schwierig, aber ich war durch mein Studium relativ gut gefordert und so hatte ich eine andere Herausforderung, auf die ich mich konzentrieren konnte. Auch wenn der Sport da als Ausgleich gefehlt hat. 2019 ging es dann zum Glück wieder voran und ich habe mit lockerem Laufen und Physiotherapie anfangen. Und meine Osteopathin hat mir dann Anfang 2020 dann den letzten Kick gegeben, sodass ich wieder meinen Weg zurück auf die Bahn geschafft habe. 

11. Und zu guter Letzt: Was habt ihr euch für 2021 gemeinsam vorgenommen? 

Olaf: Ich bin der Meinung, dass Fynn sich dieses Jahr vielleicht – weil er so motiviert ist und unbedingt will – irgendwann ganz locker herantasten kann. Doch um einen konsequenten Zehnkampf zu machen mit tollen Leistungen, da sollte er sich auf 2022 vorbereiten. 2021 sollten wir erst einmal über Einzeldisziplinen gehen, da er da noch einiges aufzuholen hat. Beispielsweise Hürden, da dabei der Bereich seiner Verletzung stark beansprucht wird, oder Weitsprung, weil die Belastung in dieser Disziplin auch härter ist. Zudem würde ich mich freuen, wenn wir Fynn im Speerwurf weiterentwickeln können und zur Hilfe auch die Meinung eines anderen Trainers hinzuziehen würden, weil ich ihm da – und auch im Diskus – nicht so viel beibringen kann. Um einen richtig guten Zehnkampf zu machen, da braucht Fynn noch einen zweiten oder dritten Trainer, die ihm weiterhelfen.
Fynn: Also oberstes Ziel ist natürlich das Comeback im Zehnkampf und grundsätzlich stimme ich Olli zu. Im Frühjahr will ich schauen, wie mein Körper auf die Einzeldisziplinen reagiert und wenn er mitspielt, dann will ich auch den Zehnkampf angehen. Ich hoffe auch, dass es schon in diesem Jahr klappt. Aber natürlich werde ich da auf meinen Körper hören.

Fynn beim Hochsprung

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