Unsere Geschichte

Folge 2: Das 1. Jahrzehnt und die ersten Erfolge (1963 -1972)

März 26, 2023

Jugendliche haben bekanntlich die geringsten Berührungsängste: Schon vor der offiziellen Gründung der LG hatte sich eine Gruppe auf den Weg nach Detmold gemacht, um an den Hallenmeisterschaften des PSV Detmold am 2. Februar 1963 teilzunehmen. Gemeinsame Anreise mit dem Zug, der lange Fußweg bis zum Fliegerhorst (nur dort gab es eine halbwegs taugliche Halle), Ausweiskontrolle durch die britische Militärpolizei, Anmeldung, Warmlaufen … und die starke Konkurrenz durch die PSV-Athleten: Das schweißte schon mal zusammen. In der A-Jugend sprangen Helmut Flint (TG)  5,88 m und Jörg Betke (TG) 5,50 m weit, in der B-Jugend Rudolf Hüls 4,88 m. Ralf Bendler (SuS) gewann die 40 m Hürden in 6,5 Sek..
Am 9. März führte eine gemeinsame Reise zu einem Hallensportfest nach Dortmund in die Westfalenhalle – zur damaligen Zeit das Tor zur „großen“ Leichtathletikwelt. Es war ein Mehrkampf-Mannschaftswettbewerb. Bei den Männern (Fünfkampf) gingen Dieter Thermann, Dieter Dargatz, Wilfried Flieder, Wolfram Schmitt-Kling und Knut Kleesiek an den Start, bei der Jugend A (Vierkampf) waren es Helmut Flint, Jörg Betke, Wilhelm Grund, Dieter Jost und Klaus Brockmann, bei der Jugend B (Dreikampf) Harald Stecker, Ralf Bendler, Burkhard Reimer, Rudolf Hüls und Wolfgang Grohs. Es gab sogar eine gemeinsame Übernachtung!

Letztmalig nach Vereinen getrennt traten die Lagenser Leichtathleten am 1. Mai beim Frühjahrswaldlauf in Hiddesen auf. Die Presse berichtete: „Im 1.600m-Lauf der Jugend B1 musste der leicht favorisierte Rudolf Hüls, TG Lage, den ersten Platz Wolfgang Heye vom TSV Detmold überlassen… Beim anschließenden Lauf der Jugend B2 setzte sich das Zweigestirn Harald Stecker und Ralf Bendler (beide SuS Lage) durch… Als der Stadionsprecher… im Lauf der Mittelstrecklerklasse von der klaren Favoritenstellung des 400 m-Jugendrekordlers Reinhard Gomann, SuS Lage, sprach, zeigte dieser auf der Gegengerade dem bis dahin führenden Immo Herden die Fersen.“

Die formale Seite war dann seit dem 8. Mai 1963 erledigt. Dreh- und Angelpunkt des Trainingsbetriebs bildete zunächst der Sportplatz Eichenallee mit seinen vier Rundbahnen auf Asche. Dort und im nahen Stadtwald wurde mit Fleiß trainiert. Einheitliche Trainingsbekleidung gab es noch nicht, aber das weiße Turnerhemd verlangte nach einem grünen LGL. Die Buchstaben waren einzeln aufzunähen und dafür mussten erst einmal zu Hause geschickte Hände gewonnen werden; mancherorts soll es deswegen zu Konflikten am Abendbrottisch gekommen sein!
Am Pfingstsamstag 1963 präsentierte sich die LG erstmalig als Mannschaft, und zwar im prestigeträchtigen Vergleichskampf mit dem PSV Detmold. Für acht Einzeldisziplinen mit je zwei Startern und die sogenannte Schwedenstaffel schickte die LG Dieter Dargatz, Wilfried Flieder, Reinhard Gomann, Reinhard Gräwe, Dieter Denecke und Ewald Dreweskracht. Auf Detmolder Seite kam Immo Herden in fünf Disziplinen zum Einsatz; aber das half nicht. Lage gewann.

Staffeln der unterschiedlichsten Formen entfalteten für die LG in ihren ersten Jahren eine ganz wesentliche Bindungskraft. Gefürchtet waren die LG-Athleten vor allem in Sarstedt, weil sie von 1963 bis 1965 dort fast sämtliche Pokale „abräumten“. Den Überblick über die unterschiedlichen Distanzen hatte allein Dieter Dargatz: Schwedenstaffel (100 m, 200 m, 300 m, 400 m) oder Olympische Staffel (800 m, 200 m, 200 m, 400 m).

Schon 1964 war die LG zur erfolgreichsten lippischen Mannschaft aufgestiegen und sie wurde auch attraktiv für Athletinnen. So waren beispielsweise Karin und Christel Wind vom TuS Asemissen, wo sie sehr erfolgreich Korbball spielten, zur LG gestoßen. 1964 lief dann erstmals auch eine 4 x 100 m Mädchenstaffel 53,2 Sek. mit Christel Wind, Münder, Görs und Karin Wind als Schlussläuferin. (Auf die hatte Reinhard Gomann dann in der Folgezeit sein Auge geworfen; die Heirat folgte …)

1971 liefen die drei zusammen mit Christel Wind 48:00 sec

Anfangs der 1970er Jahre waren die jungen Frauen dann richtig schnell unterwegs. Das beweist ein Blick in die ewige lippische Bestenliste: Ingrid „Struppi“ Ruppert, 11,6 sec.;  Karin Gomann, 12,2 sec.; Margarete Brand 12,2 sec..

Vom Post-SV Detmold stieß der schnelle Sprinter Günter Müller zur LG. Er war mit 10,5 Sek. deutscher Rekordhalter in der A-Jugend. 1967 in Hamm wurde er Westfalenmeister über 100 m in 10,8 Sek.. Helmut Flint konterte 1968 mit der westfälischen Bestleistung von 10,5 Sek.; die beiden haben sich in diesen Jahren manch spannendes Duell geliefert!

1967 zog es die Leichtathleten in die weite Welt. Eine gemeinsame Finnlandreise brachte unvergessene Erlebnisse. Überwältigend die finnische Gastfreundschaft! Selbst in kleineren Städten volle Stadien! Trotz starker Konkurrenz eilte die Lagenser Mannschaft von Sieg zu Sieg.

Aus Hamburg kommend verstärkte 1968 der Deutsche Fünfkampfmeister Heinz Gabriel die LG und sorgte als Trainer für eine enorme Leistungssteigerung vor allem bei den „Technikern“. Am 22. März leitete er erstmals das Sprinttraining, das vor allem, so ein Tagebucheintrag, auf die Verbesserung der Schnellkraft ausgerichtet war, und am 24. März stand erstmals ein unter Anleitung von handwerklich geschickten Athleten gefertigter Käfig aus Maschendraht zur Verfügung: Hammerwurfpremiere in Lage! Gegen den drohenden Muskelkater halfen übrigens in dieser Zeit vorzüglich die Massagen von Otto Boberg.

4×400 m Staffel (1967) Lippischer Rekord in 3:23,4 Min. Leesemann, Dargatz, Gomann, Thermann
Dieter Dargatz, Karl-Heinz Schäfer, Otto Boberg, Reinhard Gomann, Erwin Jörg

Für den Paukenschlag der ersten Dekade sorgte aber noch jemand anders: Dieter Rochow. Er sorgte für den ersten nationalen Meistertitel der jungen LG, als er 1969 Deutscher Jugendhallenmeister über 400 m in 50,4 sec. wurde. Das ließ Reinhard Gomann in der Männerklasse nicht ruhen, er unterbot sogar die „Marke 50“ und lief am 23. August in Bad Meinberg fantastische 48,5 Sek.. Zwei Jahre
später war er dann noch neun Zehntel schneller. Miteinander bildeten die beiden zusammen mit
Karl-Heinz Schäfer und Dieter Dargatz eine legendär gewordene 4 x 400 m Staffel, die bei den Deutschen Meisterschaften am 8. August 1970 in Berlin den noch heute bestehenden Vereinsrekord von 3:17,4 min aufstellte. Diese Zeit ist auch bis heute noch der älteste lippischen Rekord.

Die 400 m-Erfolge strahlten auch auf die Damenwelt aus: Zur Trainingsgruppe gehörte schon bald auch Annette Deerberg, die am 2. Juli 1972 auf der Lagenser Aschenbahn beachtliche 57,7 Sek. lief.

Wie schon in 1969, als sie sich im spannenden DMM-Finale von Westfalen dem TV Wattenscheid mit nur 62 Punkten Rückstand geschlagen geben mussten, reichte es für die Männer der LG auch 1970 nur zur Vize-Meisterschaft hinter dem TV Wattenscheid. Leider reichte die großartige Punktzahl von 19.119 Punkten nicht zum Sieg, aber mit dieser Punktzahl belegte die LG auch in der deutschen Bestenliste den 2. Platz hinter dem TVW!

Erfolgreiches DMM-Finale

Am Ende des ersten Jahrzehnts stehen im Olympiajahr 1972 die Jugendlichen im Blickpunkt der LG. Nachdem 1971 der damals 15jährige Dirk Sander zum ersten Mal in den Bestenlisten auftauchte, stellen junge Sportler wie z.B. Susanne Kirchhoff, Friedelore Müller, Ute Maiwald, Sabine Fuchs, Gudrun Busse, Henry Schulz, Heinz-Friedrich Pape und Norbert Matysik in ihren Diszipinen Bestleistungen und Rekorde auf.

Quiz

2.1 Welche Farbe hatten die Buchstaben des ersten Logos LGL?

2.2 Auf welcher Veranstaltung wurde die Rekordzeit von 3:17,4 Min. über 4 x 400 m gelaufen?

Die Antworten erschließen sich aus der Lektüre des Textes. Sie müssen per Email mit dem Betreff „Quiz“ an jubilaeum@lg-lage-detmold-badsalzuflen.de gesandt werden. Wer für alle Beiträge (10) jeweils die richtigen Antworten gesandt hat, erhält auf unserer Saisonabschluss-Veranstaltung Ende September einen Jubiläums-Kaffeebecher der LG überreicht.

Die Beiträge (Folge 1- 10) werden nach dem jeweiligen Erscheinen in der Rubrik „Unsere Geschichte“ gesammelt.

Quelle der Beiträge sind die Jubiläumsschriften:
10 Jahre LG Lage   1963 – 1973  (1973) 
60 Jahre SuS Lage (1972) 
20 Jahre LG Lage-Detmold (1983)
30 Jahre LG Lage-Detmold (1993)   
Höher-Weiter-Schneller (2013)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert